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Forschung

Theoretischer Rahmen, Forschungsfragen, Fallbeispiel und Forschungskontext.

Theoretischer Rahmen

M3GIM verortet sich im Feld der Mobility Studies und erweitert diese um musikwissenschaftliche und genderspezifische Perspektiven. Der mobility turn (Urry 2007, Hannam/Sheller/Urry 2006) bildet die Basis. Silke Leopold (2013) plaediert, "Migrantendasein nicht als defizitaer, sondern als musikalische Identitaet zu begreifen." Greenblatt et al. (2010) liefern mit Cultural Mobility den kulturtheoretischen Bezugsrahmen.

Nicole K. Strohmann hat den Mobilitaetsbegriff ueber die geografische Dimension hinaus erweitert: Mobilitaet(en) als "Formen von mentaler, kultureller, intellektueller, kompositorischer, saengerischer usw. Bewegung." Die analytische Unterscheidung von Motilitaet (Bewegungsfaehigkeit) und realisierter Mobilitaet ist zentral.

Zwei DH-Vorlaeufer: MUSICI (Goulet/zur Nieden, musici.eu) und MusMig (Katalinic, Zagreb) — beide auf Fruehe Neuzeit beschraenkt. M3GIM schliesst die Luecke zum 20. Jahrhundert.

Fuenf Mobilitaetstypen

Am Fallbeispiel Malaniuk operationalisiert:

  1. Nationale Mobilitaet — durch Heirat bedingte Statusveraenderungen
  2. Geografische Mobilitaet — Pendeln zwischen Engagements
  3. Erzwungene Migration — Flucht und Vertreibung (aus der Ukraine)
  4. Bildungs- und Ausbildungsmobilitaet — Professionalisierung an wechselnden Staetten
  5. Lebensstil-Migration — dauerhafte Verlagerung des Lebensmittelpunkts

Forschungsfragen

FF1. Wie praegten Saengerinnen und Saenger die Musik- und Theaterkultur von Graz und welche Rolle spielte ihre Mobilitaet fuer Professionalisierung und Vernetzung?

FF2. Welche narrativen und aesthetischen Strukturen wurden durch Migration beeinflusst, und wie trugen diese zur Transformation des Operngenres nach dem Zweiten Weltkrieg bei?

FF3. Wie wurde Musiktheaterwissen durch Mobilitaet transferiert und in neuen Kontexten adaptiert?

FF4. Welche spezifischen Mobilitaetsformen lassen sich am Beispiel Malaniuks identifizieren, und wie beeinflussten diese ihre Karriere sowie die Wissensproduktion?

Hypothese: Die Mobilitaet von Saengerinnen war nicht nur Voraussetzung fuer Karrieren, sondern Katalysator fuer neue Wissenskulturen und aesthetische Paradigmen im Musiktheater.

Machbarkeit: Die Pilotstudie evaluiert ob (1) 282 Archiveinheiten mit RiC-O 1.1 + m3gim praktikabel erschliessbar sind, (2) die Verfahren fuer groessere Datensaetze skalieren, (3) der Transfer auf eine FWF-Folgestudie (Saengerinnen an europaeischen Kulturmetropolen, 19./20. Jh.) moeglich ist.

Ira Malaniuk (1919-2009)

Ukrainisch-oesterreichische Mezzosopranistin. Biografie verkoerpert alle fuenf Mobilitaetstypen.

  • 1919 geboren in Stanislau (Ukraine), Kindheit in Lemberg
  • 1944 Flucht (erzwungene Migration), Ankunft in Oesterreich
  • 1945-1947 erstes Festengagement als Altistin, Grazer Opernhaus
  • Internationale Karriere: Bayerische Staatsoper, Wiener Staatsoper, Bayreuther und Salzburger Festspiele, Teatro Colon Buenos Aires, Royal Opera House London
  • Zusammenarbeit mit Wieland Wagner, Knappertsbusch, Furtwaengler, Karajan
  • Ab 1970 Professorin fuer Liedinterpretation an der KUG Graz
  • 2009 gestorben in Zirl (Tirol)

Quellenbestand: Teilnachlass UAKUG/NIM — 282 Archiveinheiten in 3 Bestandsgruppen: Hauptbestand (255), Plakate (26), Tontraeger (1). Zeitraum 1934-2009. Keine wissenschaftliche Literatur zu Malaniuk vorhanden.

Forschungskontext: Oper Graz

Das Grazer Opernhaus (Fokus 1945-1969) dient als Nukleus fuer Mobilitaetsanalyse. Malaniuk verkoerpert das Narrativ "Graz als Sprungbrett."

Literatur: List, Oper und Operette in Graz (1974, chronikalisch). Nemeth, Operngeschichte abseits der Routine (Diss. 2005, zur Intendanz Carl Nemeth). Bruestle (Hrsg.), Musikerinnen in Graz und in der Steiermark (2020).

Forschungsluecken: NS-Zeit am Opernhaus. Mobilitaet von Opernsaengerinnen mit Graz-Bezug. Transnationale Verflechtungen. Systematische Analyse kuenstlerischer Bewegungen und lokaler Netzwerke.

Quellen

Strohmann/Bagge (Hrsg.), Kulturelles Handeln | Macht | Mobil, Boehlau 2023. | Urry, Mobilities, 2007. | Leopold, Analecta musicologica 49, 2013. | Greenblatt et al., Cultural Mobility, 2010. | Antrag Steegmann Foundation (M3GIM, eingereicht 10.01.2026).