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Expand Up @@ -408,47 +408,6 @@ Drills arbeiten mit expliziten Anweisungen („Hüfte vor!“, „Arm strecken!
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. Der Athlet „erstickt“ an seinem eigenen Wissen (Choking). Ein rein ökologisch (mit CLA/SSG) trainierter Athlet hat diese abstrakten Regeln gar nicht erst im Kopf – er kann also gar nicht in diese Falle tappen.

=== Exkurs: Warum wir keine halben Sachen machen – Das Ende des „Ein bisschen Drill schadet doch nicht“

Wenn moderne Erkenntnisse auf alte Traditionen prallen, entsteht meist ein Reflex des Kompromisses. In vielen Fechtverbänden und Trainerakademien liest man heute: „Der Constraints-Led Approach (CLA) ist eine wunderbare Ergänzung zum klassischen Techniktraining.“ Oder: „Wir drillen erst die Grundlagen, und dann spielen wir ein bisschen, um es anzuwenden.“

Man nennt das in der Sportwissenschaft scherzhaft „Ecological Lite“. Es klingt diplomatisch, versöhnlich und friedlich.
Aber aus Sicht der Neurowissenschaft ist es ein fundamentaler Irrtum.

Führende Forscher der Ökologischen Dynamik, wie Rob Gray
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, würden bei diesem Kompromiss tief seufzen. Denn die Wahrheit lautet: Sie können nicht „ein bisschen“ ökologisch trainieren, während Sie gleichzeitig an einer „idealen Technik“ (Linear Pedagogy) festhalten. Die zugrundeliegenden Philosophien darüber, wie das Gehirn lernt, schließen sich gegenseitig aus.

Hier ist die Erklärung, warum jedes Stück klassisches Drill-Training nicht nur verschenkte Zeit ist, sondern einen Schaden anrichtet, den das moderne Training erst mühsam wieder reparieren muss.

==== 1. Das Problem der „Entkopplung“ (Decoupled Practice)
Rob Gray argumentiert, dass Bewegung (Aktion) und Wahrnehmung (Perzeption) im Gehirn wie zwei Zahnräder ineinandergreifen.

Beim Drill: Der Trainer lässt das Handlungs-Zahnrad drehen (die Ausführung des Stoßes auf ein Kissen oder in die leere Luft), während das Wahrnehmungs-Zahnrad stillsteht (es gibt keinen echten, unvorhersehbaren Gegner).

Der Schaden: Das System des Athleten lernt, dass Handlungen ohne spezifische Wahrnehmungsreize erfolgreich sein können. Man trainiert sich quasi eine „funktionale Blindheit“ an. Im echten Gefecht „wartet“ das Gehirn dann auf Befehle aus dem Nichts, anstatt auf die Bewegungen des Gegners zu reagieren.

Das Fazit: Wenn Sie eine Technik im Drill lernen, lernen Sie eine Lösung für ein Problem, das im echten Fechten niemals auftritt.

==== 2. Reinvestment: Der eingepflanzte Selbstzerstörungs-Mechanismus
Drills arbeiten mit expliziten Anweisungen („Hüfte vor!“, „Arm strecken!“).

Der Schaden: Der Athlet lernt, seine Bewegung intern zu überwachen. Unter extremem Druck greift das Gehirn auf dieses explizite Wissen zurück (Reinvestment). Das unterbricht den flüssigen Bewegungsablauf
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. Der Athlet „erstickt“ an seinem eigenen Wissen (Choking).
Ein rein ökologisch (mit CLA/SSG) trainierter Athlet hat diese abstrakten Regeln gar nicht erst im Kopf – er kann also gar nicht in diese Falle tappen.

_Wissenschaftlich gesehen ist Drill also kein „Fundament“, auf dem man aufbauen kann. Es ist wie das Einbetonieren einer Autobahn, die im Nirgendwo endet._

Wenn der Athlet später in die Weltspitze will, müssen wir diesen Beton erst mühsam mit dem Presslufthammer des Differenziellen Lernens abtragen, ihm die Angst vor Fehlern nehmen und seine Wahrnehmung wieder „online“ bringen.

==== Das schmutzige Geheimnis der alten Meister

Nun wird der klassische Maître einwenden: _„Aber meine Drill-Lektionen haben doch nachweislich Weltmeister hervorgebracht! Wie können Sie das leugnen?“_
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